Bilingualer Unterricht

Seit September 2011 bieten wir den Kindern an unserer Schule die Möglichkeit, den bilingualen Unterricht zu besuchen. Die Kinder werden in ihrer Schullaufbahn nun nicht mehr nur von Albert, dem Schuldino begleitet, sondern in ausgewählten Fächern unterstützt von Freddy, the frog, um neben den Inhalten in den Fächern auch die englische Sprache zu erlernen. Enti die Ente begleitet durch den deutsch sprachigen Unterricht. Nach einer Schuleingewöhnungsphase beginnt jeweils nach den Herbstferien in der ersten Klasse der bilinguale Unterricht.

Die Lehrkräfte im deutsch-englisch bilingualen Programm wurden im ersten Durchgang von Dr. Christine Möller von der Universität Paderborn wissenschaftlich begleitet.

Was ist bilingualer Unterricht?

Im bilingualen Unterricht werden die Kinder in einigen Fächern in ihrer Muttersprache unterrichtet und in anderen Fächern in einer Fremdsprache, z.B. wie an unserer Schule in Englisch. Der Unterricht in den englischen Fächern wird ausschließlich in der Fremdsprache erteilt. Die Lehrkraft bespricht die Lerninhalte auf Englisch und agiert so natürlich wie möglich in der englischen Sprache mit den Kindern, wenn es um die Organisation des Vormittags, Klassenrituale, wie die Frühstückspause oder kleine Unterhaltungen geht.

Diese Unterrichtsmethode wird in der Fachsprache „Immersion“ genannt. Die Kinder tauchen demnach in die neue Sprache ein und werden so oft wie möglich mit dem Englischen in Berührung kommen, um die Fremdsprache auf ganz natürlichem Weg zu erlernen. Im Gegensatz zum normalen Englischunterricht steht nicht das Sprachenlernen im Vordergrund, sondern der reguläre Inhalt, z.B. das Plusrechnen im Fach Mathematik. Allerdings bietet die Lehrkraft den Inhalt auf Englisch dar, so dass das Sprachenlernen bei den Kindern im Grunde „nebenher“ geschieht. Auch im Klassenraum finden sich Wort- und Bildkarten auf Englisch wieder, die die Inhalte und organisatorische Abmachungen verdeutlichen. Die Sprache wird durch die Aktivitäten in dem jeweiligen Fach erlernt. Vor allem am Anfang nutzt die Lehrkraft viele Hilfsmittel wie Bilder, Gegenstände, Gestik und Mimik, um den Kindern die Bedeutung der fremden Wörter zu verdeutlichen. Im bilingualen Unterricht hat die Lehrkraft einen hohen sprachlichen Anteil, so dass die neue Sprache den Kindern immer geläufiger wird. Die Lehrkraft spricht zunächst ein etwas vereinfachteres Englisch. Wichtige Arbeitsaufträge oder organisatorische Abläufe werden anfangs immer sehr ähnlich benannt bis die Kinder diese automatisch mit der richtigen Aktion zusammenführen können. Wichtig ist, dass kein Kind dazu gezwungen wird, sich in der englischen Sprache zu äußern. Die Lehrkraft reagiert stets auf Englisch auf die Äußerungen der Kinder. Antworten die Kinder auf Deutsch, so überträgt sie das Wort schnell ins Englische und wiederholt es im Lehrerecho.

Die Inhalte unterscheiden sich nicht von den Inhalten des herkömmlichen Unterrichts. Sie folgen den gleichen Richtlinien und Lehrplänen. Es entstehen keine Nachteile im Sachwissen gegenüber auf Deutsch unterrichteten Klassen.

Immersion gilt weltweit als die erfolgreichste Methode des Sprachenlernens, weil hohe fremdsprachliche, interkulturelle, kommunikative und fachliche Kompetenzen der Kinder erreicht werden können. Ursprünglich stammt die Methode aus Ländern wie Kanada, Australien oder Finnland, wo sie bereits in den sechziger Jahren praktiziert wurde. In NRW gibt es inzwischen mehr als 230 Schulen aller Schulformen, in denen Kinder bilingual in den verschiedensten Sprachen unterrichtet werden.

Wie gestaltet sich der bilinguale Unterricht an der Albert-Schweitzer Schule?

Die Kinder im bilingualen Zweig an der ASL werden in den Fächern Sport, Kunst und Mathematik (in Teilen) sowie in sachunterrichtlichen Projekten auf Englisch unterrichtet. Hinzu kommt der wöchentliche Englischunterricht mit drei Stunden, in denen die Kinder englisches Wortmaterial spielerisch und aktiv erproben. Hier stehen vor allem das Erleben von kleinen stories, das Sprechen von Reimen, das Singen von Liedern, kleine Stehgreifspiele etc. im Vordergrund, um die Sprach- und Sprechfähigkeiten der Kinder zu fördern. Der zweisprachige Unterricht deckt folglich mindestens 50% des Unterrichts der Kinder ab.

Jede bilinguale Lerngruppe wird von einer Lehrkraft mit guten Englischkenntnissen auf Englisch unterrichtet. Unterstützt werden die bilingualen Lehrkräfte durch die Klassenlehrer, die fast alle auch selbst ein Fach, z.B. Kunst, auf Englisch unterrichten. Die bilingualen Lehrkräfte und die Klassenlehrer arbeiten eng in Teams zusammen, um organisatorische und fachliche Belange schnell und unkompliziert besprechen, Unterricht zusammen planen und somit die Kinder effektiv gemeinsam fördern und fordern zu können.

Die Materialien sind im ersten Schuljahr noch weitgehend ohne englisches Schriftbild. Gegen Ende des ersten Schuljahres wird das Schriftbild immer häufiger dargeboten, erste Wörter und kurze Sätze werden geschrieben. Die Mathematikbücher sind auf Deutsch und werden durch englischsprachiges Material, wie zum Beispiel Spiele oder Arbeitsblätter auf Englisch, ergänzt. Erklärt und besprochen werden die Inhalte stets auf Englisch. In Mathematik findet zusätzlich einmal pro Woche eine Unterrichtsstunde bei einem deutschsprachigen Lehrer statt, um zu gewährleisten, dass wichtige Fachwörter auch auf Deutsch geläufig sind und um zusätzliche Übungszeit zu erhalten.

Wie verhalten sich die Kinder der Erfahrung nach im bilingualen Unterricht?

Es war sehr spannend die Kinder im ersten Jahr des bilingualen Unterrichts zu beobachten. Anfangs reagierten die Kinder viel durch Körpersprache, wie das bloße Zeigen auf etwas, oder in der deutschen Sprache. Wörter, die sie bereits auf Englisch benennen konnten, wie beispielsweise die Zahlen, wurden von vielen recht früh auch in der Fremdsprache genannt. Schnell erlernten die Kinder einfache und später auch etwas schwierigere Mathematikaufgaben auf Englisch zu formulieren und zu lösen.

Am Ende des ersten Halbjahres im ersten Schuljahr waren bei einigen Kindern erste Sätze zu hören, die das Deutsche und das Englische vermischten. So bildeten manche Kinder Sätze wie: „Guck mal, my worksheet!“, „Ich habe nicht gespeaked!“, „Please, jump bis zur Decke!“, „My trick is, dass ich immer 2 dazu zähle.“ oder „Ich wollte wissen, ob that correct is!“

Am Ende des ersten Schuljahres und vor allem zu Beginn des zweiten Schuljahres benutzten die Kinder vor allem eingeübte Redewendungen, wie „This is…“, „I can see…“ oder „Today is monday“. Zudem begannen einige Kinder in Unterhaltungen und im Unterrichtsgespräch immer stärker eigene Sätze zu formulieren. Nun kam es vor, dass Sätze wie folgt zu hören waren: Lehrer: „Brr, I’m freezing.“ – Kind: „No, it’s not cold.”, “I’m sitting next to you.”, “No, first you say a task.”, “She says schoolbag.” Oder “She has a hedgehog.”

Zunächst entwickelten die Kinder vor allem passive Sprachkenntnisse und verloren nach und nach die Scheu davor, mit der Sprache zu experimentieren. Es ist zunächst nicht wichtig, grammatikalisch richtige Sätze zu formulieren. Vielmehr steht im Vordergrund, dass die Kinder sich nach und nach selbst die Sprache erschließen und versuchen, zu kommunizieren. Sie lernten blitzschnell, sich selbst zu erklären, was die Lehrkraft meinen könnte und akzeptierten auch, wenn sie nicht alle Wörter bis ins Detail begreifen konnten. Nach und nach wuchs vor allem ihr passiver Wortschatz. Sie profitieren dadurch, dass sie Vieles in der Fremdsprache verstehen und sich mutig verständigen konnten. In Klasse 2 sind nur noch wenige Visualisierungshilfen für organisatorische oder routinierte Abläufe nötig.

Welche Leistungen werden im bilingualen Unterricht bewertet?

Die Kinder im bilingualen Unterricht werden nach den gleichen Richtlinien und Lehrplänen unterrichtet wie alle anderen Kinder auch. Daher bewertet die Lehrkraft alle im Unterricht erbrachten Leistungen, Anstrengungen und Fortschritte. Auch in Gruppen erbrachte Leistungen werden bewertet. Das heißt konkret für den Mathematikunterricht, dass das Kind für seine fachlichen Leistungen im Mathematikunterricht bewertet wird, aber nicht für seine
Sprach- und Sprechkompetenz im Englischen. Fehler in schriftlichen Ausarbeitungen werden zwar berichtigt, aber nicht bewertet.

Die Aussprache, der Wortschatz oder auch die Kommunikationsfähigkeit im Englischen findet sich im Zeugnis im Rahmen der Beurteilung im Fach Englisch wieder. Zudem erhalten die Kinder auf dem Zeugnis eine Bemerkung, dass sie den bilingualen Unterricht besucht haben.


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